Future Skills neu denken – aus der Perspektive künstlerischer Hochschulen
In vielen Hochschulen wird derzeit intensiv über Future Skills nachgedacht:
Welche Kompetenzen brauchen Studierende für eine ungewisse Zukunft?
Oft entstehen dabei Kompetenzmodelle, neue Module oder ergänzende Angebote.
Aber ich frage mich zunehmend:
Reicht das aus?
Gerade künstlerische Hochschulen verfügen über etwas,
das im Future-Skills-Diskurs noch zu wenig berücksichtigt wird:
einen ästhetischen Zugang zur Welt.
In Musik, Design, Film oder Theater geht es nicht zuerst um Lösungen,
sondern um Wahrnehmung, Erfahrung und Gestaltung.
Studierende lernen dort:
mit Ambiguität umzugehen
Wahrnehmung zu differenzieren
eigene Ausdrucksformen zu entwickeln
in offenen Prozessen zu arbeiten
Genau das sind zentrale Future Skills.
Der entscheidende Punkt ist daher nicht,
künstlerische Praxis um „Future Skills“ zu ergänzen.
Sondern umgekehrt:
Future Skills aus künstlerischer Praxis heraus zu denken.
Das hat Konsequenzen für Hochschulen:
weniger Addition von Angeboten
mehr Integration in bestehende Studienkulturen
mehr Raum für experimentelle und interdisziplinäre Formate
neue Verbindungen zwischen künstlerischen, sprachlichen und wissenschaftlichen Perspektiven
Gerade in Zeiten, in denen Hochschulen sich stärker vernetzen,
internationalisieren und gesellschaftlich positionieren,
liegt hier eine große Chance.
These:
Die Zukunft der Hochschulbildung liegt nicht darin,
Future Skills zu definieren –
sondern darin, ästhetische Formen der Welterschließung ernst zu nehmen
und daraus neue Studienmodelle zu entwickeln.
Rektor der Hochschule für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche von Westfalen (Witten)
Prof. Dr. Jochen Kaiser
Kulturleiter, Organisationsentwickler und Kulturwissenschaftler mit langjähriger Erfahrung in der strategischen Führung von Bildungs- und Kulturinstitutionen
