Neue Antworten entstehen nicht am Rand

Innovation beginnt selten mit einer großen Idee. Häufig beginnt sie mit einer Irritation: Etwas passt nicht mehr. Ein Verfahren erreicht die falschen Menschen. Ein Studiengang bildet Kompetenzen aus, die nicht mehr ausreichen. Eine Organisation spürt, dass ihre vertrauten Routinen nicht mehr zur Zukunft führen.

Mich interessiert genau dieser Moment.

Ich arbeite an der Schnittstelle von Innovation, Hochschulentwicklung und Organisationsentwicklung. Dabei geht es mir nicht um Veränderung als Selbstzweck, sondern um die Frage, wie Menschen, Bildungsinstitutionen und Organisationen neue Fähigkeiten entwickeln können, um für gesellschaftliche Herausforderungen wirksam zu werden.

Potenzialorientierte Zugänge

Hochschulen entscheiden an ihren Zugängen, wen sie sehen — und wen sie übersehen.

In meiner Arbeit an der Hochschule für Kirchenmusik beschäftigt mich deshalb die Frage, wie Aufnahmeverfahren nicht nur vorhandene Leistungen prüfen, sondern Entwicklungspotenzial erkennen können. Ein Ferienkurs wurde zu einem Erprobungsraum für einen anderen Blick: weniger punktuelle Selektion, mehr Wahrnehmung von Motivation, Lernfähigkeit, musikalischer Vorstellungskraft und Entwicklungsmöglichkeiten.

Das verändert nicht den Anspruch. Aber es verändert die Perspektive. Die entscheidende Frage lautet nicht nur: Was kann jemand heute? Sondern auch: Was könnte jemand in einem guten Lernumfeld in vier Jahren entwickeln?