»Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, der Name des Herrn sei gelobt«
Orgel-Gottesdienst zur Geschichte von »Hiob«
Sonntag, 13. November 2011, Liebfrauenkirche zu Wernigerode
Jochen Kaiser - Orgel
Hiob war im Mittelalter der Schutzpatron der Musiker. Hiob war ein wohlhabender, glücklicher, frommer und gesunder Mann. Das Schicksal nahm ihm alles, was er hatte, er verlor seine Kinder und wurde krank. Er konnte sich nur noch an Gott halten. Hiob klagte über sein Leid, und da er Gottes Existenz nicht infrage stellte, wurde seine Klage zur Anklage Gottes. Nach langem Warten antwortete ihm Gott.
Der Gottesdienst wird sich in Musik und Wort dem vertrauenden Glaubensausdruck Hiobs nähern.
Als Hauptstück des Gottesdienstes erklangen Auszüge aus dem zeitgenössischen Orgelzyklus »Iob« des tschechischen Komponisten Petr Eben. Weitere Orgelwerke von Johann Gottfried Walther, Johann Sebastian Bach, Max Reger sowie Improvisationen und Gemeindelieder rundeten die Veranstaltung ab.
Ablauf des Gottesdienstes
A ERÖFFNUNG & ANRUFUNG
Glocken
Musik zum Eingang von Max Reger »Kyrie eleison« op. 59,7
Votum & Begrüßung
Lied EG 296, 1-5 »Ich heb mein Augen sehnlich auf«
Einleitung zu Hiob
Petr Eben aus »Hiob« I Destiny
Psalm nach Hiob 3 – »Ehr sei dem Vater«
Orgel J.S.Bach »Ich ruf zu dir« & Kyrielied EG 343, 1,2,5 »Ich ruf zu dir«
Zwischenvers
Gloria mit Petr Eben aus »Hiob« II Faith
Tagesgebet
B VERKÜNDIGUNG & BEKENNTNIS
Abfolge ist jeweils: Orgel – Lesung – Lied
Impro – Lesung Hi 2,9-10 – Lied EG 362 »Ein feste Burg ist unser Gott«
Petr Eben aus »Hiob« V »Despair and Resignation« – Lesung Hi 7,16-21
Lied EG 528,1-3+7 »Ach wie flüchtig, ach wie nichtig«
J.S.Bach »Wenn wir in höchsten Nöten« - Lesung Hi 38,1-14 – Lied EG 366,1-5
J.S.Bach »Wer nur den lieben Gott« - Lesung Hi 42,1-6 – Lied EG 369, 1-7
Impro – Lesung Hi 42,12-13,15-17 – EG 370,1-3+11-12 »Warum sollt ich mich«
Glaubensbekenntnis
Lied EG 72, 1 + 6-7 »O Jesu Christe, wahres Licht«
Abkündigungen
Fürbitten & Vater unser
D SENDUNG & SEGEN
Ankündigungen
Lied EG 321 »Nun danket alle Gott«
Segen
Musik zum Ausgang: Petr Eben aus »Hiob« VIII God’s reward
Kompetenz entsteht nicht durch Stoffverteilung.
Diese Erfahrung kenne ich aus der Musik: Können entwickelt sich durch Übung, Reflexion, Wiederholung, Rückmeldung und durch die Motivation, über längere Zeit an einem Ziel zu arbeiten. Für Hochschulen bedeutet das: Curricula müssen nicht nur Inhalte ordnen, sondern Entwicklungswege ermöglichen.
In der Weiterentwicklung von Studienstrukturen interessiert mich deshalb, wie fachliches Wissen, künstlerische Praxis, Selbststeuerung, Zusammenarbeit und professionelle Haltung zusammenwirken. Gute Studiengänge beschreiben nicht nur Module. Sie beschreiben, welche Fähigkeiten Menschen in einer zukünftigen Berufspraxis brauchen — und wie diese Fähigkeiten wachsen können.
Lernen geschieht nicht nur im Unterricht.
Es entsteht in Proben, Gesprächen, Rückmeldungen, Experimenten, Prüfungsformaten, digitalen Umgebungen und in Momenten, in denen Menschen Verantwortung für den eigenen Lernweg übernehmen. Darum interessiert mich Hochschullehre nicht nur als Didaktik, sondern als Gestaltung von Lernräumen.
Dazu gehören Präsenz und digitale Formate, individuelle Förderung und gemeinsames Arbeiten, künstlerische Erfahrung und systematische Reflexion. Besonders spannend werden Lernräume dort, wo sie reale Praxis einbeziehen: Projekte, Aufführungen, Kooperationen, Erprobungen und formative Rückmeldungen.
Prüfungen zeigen, was eine Hochschule wirklich wichtig findet.
Wenn Prüfungen nur abrufen, was vorher vermittelt wurde, bleiben sie oft hinter dem Anspruch kompetenzorientierter Bildung zurück. Mich interessiert, wie Prüfungen selbst zu Lern- und Entwicklungsmomenten werden können: durch Reflexion, Praxisbezug, Zusammenarbeit und die Fähigkeit, Entscheidungen zu begründen.
Ein Beispiel dafür sind Prüfungsformate, in denen Studierende nicht nur individuell Wissen zeigen, sondern gemeinsam Situationen gestalten, Entscheidungen reflektieren und ihre professionelle Haltung sichtbar machen.
Innovation braucht mehr als gute Absichten.
Wenn neue Formate entstehen, stellt sich die Frage: Was verändert sich dadurch? Für wen entsteht ein Unterschied? Woran erkennen wir, ob ein Ansatz trägt? Wirkungsorientierung hilft, Entwicklungsprozesse nicht bei Aktivitäten stehen zu lassen, sondern ihre Bedeutung für Menschen, Organisationen und Gesellschaft zu klären.
Mich interessiert Evaluation nicht als Kontrolle, sondern als Lernschleife. Gute Evaluation fragt nicht nur, ob etwas funktioniert hat. Sie fragt, was wir daraus lernen, was angepasst werden muss und wie aus einem Versuch eine tragfähige Praxis werden kann.
Neue Ideen sind leicht formuliert. Schwieriger ist es, sie in Organisationen wirksam werden zu lassen.
Dafür braucht es Übersetzung: zwischen Fachlogiken, Personen, Gremien, Erwartungen und Ressourcen. Innovation entsteht nicht allein durch Kreativität, sondern durch kluge Prozesse, Beteiligung, Entscheidung und die Fähigkeit, aus ersten Versuchen zu lernen.
Meine Arbeit verbindet deshalb drei Bewegungen: neue Möglichkeiten erkennen, sie in überschaubaren Projekten erproben und daraus institutionelle Entwicklung gestalten.
Mich beschäftigen Hochschulen als Orte, an denen Zukunft vorbereitet wird. Das betrifft Studiengänge und Prüfungen, aber auch Kultur, Führung, Zusammenarbeit und strategische Entwicklung.
Meine Themen sind:
Im Zentrum steht für mich eine einfache Frage:
Wie können Menschen und Organisationen neue Fähigkeiten entwickeln, damit Zukunft nicht nur beschrieben, sondern gestaltet wird?
Mich interessieren Hochschulen als Orte, an denen Zukunft vorbereitet wird. Sie vermitteln Wissen, entwickeln Kompetenzen und schaffen Räume für Reflexion, Begegnung und Innovation.
Die entscheidende Frage lautet: Welchen Beitrag leisten Hochschulen für die Gesellschaft.
Hochschulentwicklung ist kein Selbstzweck. Hier werden Menschen befähigt, Verantwortung zu übernehmen, mit Unsicherheit umzugehen und neue Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen - der Zukunft, die wir noch nicht kennen - zu entwickeln.
Rektor der Hochschule für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche von Westfalen (Witten)
Prof. Dr. Jochen Kaiser
