Die Schöpfung von Joseph Haydn übersetzt die Erschaffung der Welt so eindrucksvoll in Töne, dass dieses Oratorium sich für eine "Kinderaufführung" anbietet. Der hier geschilderte Ablauf ist in Wernigerode aufgeführt worden. Die Bilder stammen von Kindern der 3. Klasse aus der Francke-Grundschule in Hasserode. Ihre Lehrerin Frau Ines Harnisch hat die Kinder zu diesen herrlichen Bildern motiviert.
Die Bilder, kurze Zwischentexte und in der Hauptsache die Musik von Joseph Haydn haben uns alle, Hörende und Ausführende für eine Stunde in eine zauberhafte Atmosphäre entführt.
Ich stelle hier die gespielte Musik (die Nr. entstammen der Ausgabe der Edition Peters), die Zwischentexte und die Bilder vor:
1. Einleitung Takte 1-9
2. Begrüßung und Anfang der Schöpfung:
Am Anfang war alles wirr und leer, ein richtiges tohu wa bohu. Das hören wir als erstes und dann werdet ihr erleben, was Gott als Erstes schuf.
3. Vorstellung des Chaos und Erschaffung des Lichts (Nr. 1)
Es ward Abend und es ward Morgen, der 1. Tag. Gott trennte an diesem ersten Tag das Wasser oben am Himmel, wir kennen dieses Wasser als Regen und das Wasser unten, auf der Erde. In der Musik von Joseph Haydn schauen die Engel zu, wie Gott die Welt schuf und sie sind begeistert. Immer wieder stimmen sie ein Loblied an und singen zur Ehre Gottes. Hört einmal:
"MIt Staunen sieht das Wunderwerk" - Arie und Chor (Nr. 4)
Nr. 5 Erschaffung von Land und Meer
An diesem 2. Tag schuf Gott das Gras, die Pflanzen, Blumen und Bäume. Die Erde war nicht mehr grau, sondern überall können wir bunte Farben sehen. Blumen mit leuchtenden Blüten und herrlichem Duft. Die himmlischen Heerscharen, alle Engel stimmen ein fröhliches Lied an:
Nr. 9-10
Gott schuf am dritten Tag die Sonne, den Mond und die Sterne. Haydn komponiert ganz anschaulich, wie die strahlende Sonne klingt, der weiche und dunkle Mond und die blitzenden Sterne in Musik übersetzt werden. Wir hören die Musik und wieder erklingt am Ende ein Loblied auf Gott, zu Beginn des vierten Tages.
Nr. 12-13 ("Die Himmel erzählen" könnte nur bis T. 18 musiziert werden)
Am vierten Tag schuf Gott die Vögel, die unter dem Himmel fliegen und mit ihrem Gezwitscher die Luft erfüllen. Einige Vögel lernen wir jetzt genauer kennen. Da ist der Adler, majestätisch durchzieht er die Luft. (Nr. 15, Takte 1-8)
Am frühen Morgen ein zwitschern, (Klarinette spielt von Nr. 15 T. 52-54) die Lerche.
Sie klingen ganz verliebt (spielen: Fagotte und Violinen T. 65 & 67) ein Taubenpaar.
Legendär ist der Gesang dieses Vogels: (spielen: Tutti 119 auf 2- 126) die Nachtigall
Die ganze Arie wird gespielt und dazu an den entsprechenden Stellen die Vögel gezeigt.
Und es ward Abend und es ward Morgen, der 5. Tag. Heute hat Gott viel vor, denn er hat noch keine Tiere geschaffen. Vögel können sehr schön singen, aber bei Tieren ist das nicht immer so. Eine Ziege meckert, ein Esel ruft iah und ein Hund bellt, das klingt alles nicht so schön. Deshalb hat Haydn nicht die Laute der Tiere, sondern die Bewegung vertont.
Es werden von Nr. 21 die Takte 7-13 gespielt.
Das war der Löwe, ein gefährliches Tier. Mal sehen, ob das nächste Tier auch so wild ist?
Es werden von Nr. 21 die Takte 14-18 gespielt.
Habt ihr gehört, wie der Tiger durch den Wald gesprungen ist? Hoffentlich trifft er nicht das nächste Tier:
Es werden von Nr. 21 die Takte 19-27 gespielt.
Stolz und schnell sprang der Hirsch davon. Noch ein Tier, das sehr schnell rennen kann, wurde von Gott erschaffen.
Es werden von Nr. 21 die Takte 28-39 gespielt.
Friedlich steht und liegt das nächste Tier auf der Weide.
Nun folgt wieder das ganze Musikstück, dass uns die verschiedenen Tiere vor Augen malt.
Und es ward Abend und es ward Morgen, der 6. Tag. Die Pflanzen, die Vögel, die Tiere, alles hatte Gott geschaffen. Es fehlte nur noch ein Geschöpf. Diese wird oft als Krönung der Schöpfung bezeichnet:
Es wird das Rezitativ Nr. 23 musiziert.
Der Mensch war geschaffen. Er hat Ähnlichkeit mit Gott, denn Gott schuf ihn nach seinem Ebenbilde. Alles war vollendet. Gott hatte in sechs Tagen die Welt geschaffen. Und Gott sah alles, was er geschaffen hatte und siehe es war sehr gut. Die Engel und alle Geschöpfe stimmten einen Lobgesang an.
Es wird das Rezitativ Nr. 25 und der Chor Nr. 26 gesungen.
Und es ward Abend und es ward Morgen, der 7. Tag. Da ruhte Gott von seinem Tun, Adam und Eva sangen für Gott ein fröhliches Lied und danach stimmten sie ein gemeinsames Liebeslied an. Wir hören mal, was sie singen:
Es wird das Duett zwischen Adam und Eva, Nr. 32 bis Takt 72 musiziert.
So schuf Gott die Welt in sieben Tagen. Wir dürfen auf dieser Erde leben und uns an den schönen Blumen und Pflanzen, den Vögeln und Fischen, den Tieren und Menschen erfreuen. Dafür wollen wir Gott, unserem Vater und Schöpfer die Ehre geben und ein letztes Lied singen:
Es wird als Abschluss der Schlusschor Nr. 34 musiziert.
Diese musikalische Entfaltung der Schöpfung von Joseph Haydn lässt die Erschaffung der Welt erklingen und zeigt, wie Kinder sich die einzelnen Geschöpfe vorstellen.
Bei ruhigen, aber schnellen Anschlüssen zwischen Text und Musik - besonders mit dem Orchester müssen die beiden Stücke Nr. 15 und 21 geprobt werden - dauert dieser Aufführung ca. 55 Minuten.
Kompetenz entsteht nicht durch Stoffverteilung.
Diese Erfahrung kenne ich aus der Musik: Können entwickelt sich durch Übung, Reflexion, Wiederholung, Rückmeldung und durch die Motivation, über längere Zeit an einem Ziel zu arbeiten. Für Hochschulen bedeutet das: Curricula müssen nicht nur Inhalte ordnen, sondern Entwicklungswege ermöglichen.
In der Weiterentwicklung von Studienstrukturen interessiert mich deshalb, wie fachliches Wissen, künstlerische Praxis, Selbststeuerung, Zusammenarbeit und professionelle Haltung zusammenwirken. Gute Studiengänge beschreiben nicht nur Module. Sie beschreiben, welche Fähigkeiten Menschen in einer zukünftigen Berufspraxis brauchen — und wie diese Fähigkeiten wachsen können.
Lernen geschieht nicht nur im Unterricht.
Es entsteht in Proben, Gesprächen, Rückmeldungen, Experimenten, Prüfungsformaten, digitalen Umgebungen und in Momenten, in denen Menschen Verantwortung für den eigenen Lernweg übernehmen. Darum interessiert mich Hochschullehre nicht nur als Didaktik, sondern als Gestaltung von Lernräumen.
Dazu gehören Präsenz und digitale Formate, individuelle Förderung und gemeinsames Arbeiten, künstlerische Erfahrung und systematische Reflexion. Besonders spannend werden Lernräume dort, wo sie reale Praxis einbeziehen: Projekte, Aufführungen, Kooperationen, Erprobungen und formative Rückmeldungen.
Prüfungen zeigen, was eine Hochschule wirklich wichtig findet.
Wenn Prüfungen nur abrufen, was vorher vermittelt wurde, bleiben sie oft hinter dem Anspruch kompetenzorientierter Bildung zurück. Mich interessiert, wie Prüfungen selbst zu Lern- und Entwicklungsmomenten werden können: durch Reflexion, Praxisbezug, Zusammenarbeit und die Fähigkeit, Entscheidungen zu begründen.
Ein Beispiel dafür sind Prüfungsformate, in denen Studierende nicht nur individuell Wissen zeigen, sondern gemeinsam Situationen gestalten, Entscheidungen reflektieren und ihre professionelle Haltung sichtbar machen.
Innovation braucht mehr als gute Absichten.
Wenn neue Formate entstehen, stellt sich die Frage: Was verändert sich dadurch? Für wen entsteht ein Unterschied? Woran erkennen wir, ob ein Ansatz trägt? Wirkungsorientierung hilft, Entwicklungsprozesse nicht bei Aktivitäten stehen zu lassen, sondern ihre Bedeutung für Menschen, Organisationen und Gesellschaft zu klären.
Mich interessiert Evaluation nicht als Kontrolle, sondern als Lernschleife. Gute Evaluation fragt nicht nur, ob etwas funktioniert hat. Sie fragt, was wir daraus lernen, was angepasst werden muss und wie aus einem Versuch eine tragfähige Praxis werden kann.
Neue Ideen sind leicht formuliert. Schwieriger ist es, sie in Organisationen wirksam werden zu lassen.
Dafür braucht es Übersetzung: zwischen Fachlogiken, Personen, Gremien, Erwartungen und Ressourcen. Innovation entsteht nicht allein durch Kreativität, sondern durch kluge Prozesse, Beteiligung, Entscheidung und die Fähigkeit, aus ersten Versuchen zu lernen.
Meine Arbeit verbindet deshalb drei Bewegungen: neue Möglichkeiten erkennen, sie in überschaubaren Projekten erproben und daraus institutionelle Entwicklung gestalten.
Mich beschäftigen Hochschulen als Orte, an denen Zukunft vorbereitet wird. Das betrifft Studiengänge und Prüfungen, aber auch Kultur, Führung, Zusammenarbeit und strategische Entwicklung.
Meine Themen sind:
Im Zentrum steht für mich eine einfache Frage:
Wie können Menschen und Organisationen neue Fähigkeiten entwickeln, damit Zukunft nicht nur beschrieben, sondern gestaltet wird?
Mich interessieren Hochschulen als Orte, an denen Zukunft vorbereitet wird. Sie vermitteln Wissen, entwickeln Kompetenzen und schaffen Räume für Reflexion, Begegnung und Innovation.
Die entscheidende Frage lautet: Welchen Beitrag leisten Hochschulen für die Gesellschaft.
Hochschulentwicklung ist kein Selbstzweck. Hier werden Menschen befähigt, Verantwortung zu übernehmen, mit Unsicherheit umzugehen und neue Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen - der Zukunft, die wir noch nicht kennen - zu entwickeln.
Rektor der Hochschule für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche von Westfalen (Witten)
Prof. Dr. Jochen Kaiser
