Anlass dieser Vesper war ein Töpfermarkt um den Dom “Ton am Dom”. In der gegenwärtigen Religiosität spielt die eigene Lebensgeschichte eine wichtige Rolle. Deshalb widmete sich diese Vesper der Lebensgeschichte Moses in so offener Weise, jede und jeder sein eigenes Leben darin spiegeln konnte. Die Zahl 40 markiert in Moses Leben Wendepunkte, deshalb wurde diese Zahl aufgenommen. Auch der Psalm 40 war der Psalm dieser Vesper. Es ist ein „Lobdank“-Psalm, der Gott dankt für seine Hilfe im Leben, ohne schwierige Phasen auszublenden.
Die Lebensgeschichte Moses ist in einem alten Domfenster abgebildet. Diese Bilder wurden an drei Stationen betrachtet.
Nach der allgemeinen Begrüßung und Einführung im Hauptschiff des Domes, nahmen wir im alten Chorgestühl des Hohen Chores Platz.
Not only for FORTIES
Ökumenische Vesper am 5. Juli 2014 im Dom St. Stephanus/Halberstadt
Wechselgruß Sprecher: Lärm des Marktreibens.
Sprecherin: Ich fühle die Ruhe, die sich in mir ausbreitet.
Gemeinde: Kyrie eleison
Sprecher: Lasten des Alltags werden leichter.
Sprecherin: Doch in der Stille beginnen meine Gedanken zu rasen, ich
suche Beruhigung.
Gemeinde: Kyrie eleison
Sprecher: Ich spüre Engel, die bei uns sind.
Sprecherin: Ja, Gott, zeige dich und hilf mir.
Gemeinde: Kyrie eleison
Lied „Der Lärm verebbt“ (Text: Jürgen Henkys; Melodie: schwedische Volksweise)
Die beiden Chorseiten wechselten sich im Singen ab.
Einführungstext
Lied „Ich sing dir mein Lied“ (Text: Fritz Baltruweit/Barbara Hustedt; Melodie: aus Brasilien)
Prozession mit dem Kanon „Wechselnde Pfade, Schatten und Licht: Alles ist Gnade, fürchte dich nicht“
Station I „Mose und seine Identität“
Lied „Halte deine Liebe fest“ (Text: Eugen Eckert; Melodie: Jürgen Kandziora)
Fürbittgebet
Psalm 40
Prozession mit dem Kanon „Wechselnde Pfade, Schatten und Licht: Alles ist Gnade, fürchte dich nicht“
Station II „Mose begegnet Gott“
Lied „Halte deine Freiheit fest“
Fürbittgebet
Psalm 40 (Kantor und Chor singen den Psalm im Wechsel auf den 8. Psalmton und die Gemeinde singt einen Kehrvers)
Prozession mit dem Kanon „Wechselnde Pfade, Schatten und Licht: Alles ist Gnade, fürchte dich nicht“
Station III „Mose sieht das gelobte Land“
Lied „Halte deine Träume fest“
Fürbittgebet
Psalm 40 (Kantor und Gemeinde singen den Psalm im Wechsel auf einen Ton)
Prozession zum Taufstein mit dem Kanon „Wechselnde Pfade, Schatten und Licht: Alles ist Gnade, fürchte dich nicht“
Gebet und Vaterunser
Segen
Schlusslied „Ich sing dir mein Lied“ (Wiederholung aus der Vesper)
Kompetenz entsteht nicht durch Stoffverteilung.
Diese Erfahrung kenne ich aus der Musik: Können entwickelt sich durch Übung, Reflexion, Wiederholung, Rückmeldung und durch die Motivation, über längere Zeit an einem Ziel zu arbeiten. Für Hochschulen bedeutet das: Curricula müssen nicht nur Inhalte ordnen, sondern Entwicklungswege ermöglichen.
In der Weiterentwicklung von Studienstrukturen interessiert mich deshalb, wie fachliches Wissen, künstlerische Praxis, Selbststeuerung, Zusammenarbeit und professionelle Haltung zusammenwirken. Gute Studiengänge beschreiben nicht nur Module. Sie beschreiben, welche Fähigkeiten Menschen in einer zukünftigen Berufspraxis brauchen — und wie diese Fähigkeiten wachsen können.
Lernen geschieht nicht nur im Unterricht.
Es entsteht in Proben, Gesprächen, Rückmeldungen, Experimenten, Prüfungsformaten, digitalen Umgebungen und in Momenten, in denen Menschen Verantwortung für den eigenen Lernweg übernehmen. Darum interessiert mich Hochschullehre nicht nur als Didaktik, sondern als Gestaltung von Lernräumen.
Dazu gehören Präsenz und digitale Formate, individuelle Förderung und gemeinsames Arbeiten, künstlerische Erfahrung und systematische Reflexion. Besonders spannend werden Lernräume dort, wo sie reale Praxis einbeziehen: Projekte, Aufführungen, Kooperationen, Erprobungen und formative Rückmeldungen.
Prüfungen zeigen, was eine Hochschule wirklich wichtig findet.
Wenn Prüfungen nur abrufen, was vorher vermittelt wurde, bleiben sie oft hinter dem Anspruch kompetenzorientierter Bildung zurück. Mich interessiert, wie Prüfungen selbst zu Lern- und Entwicklungsmomenten werden können: durch Reflexion, Praxisbezug, Zusammenarbeit und die Fähigkeit, Entscheidungen zu begründen.
Ein Beispiel dafür sind Prüfungsformate, in denen Studierende nicht nur individuell Wissen zeigen, sondern gemeinsam Situationen gestalten, Entscheidungen reflektieren und ihre professionelle Haltung sichtbar machen.
Innovation braucht mehr als gute Absichten.
Wenn neue Formate entstehen, stellt sich die Frage: Was verändert sich dadurch? Für wen entsteht ein Unterschied? Woran erkennen wir, ob ein Ansatz trägt? Wirkungsorientierung hilft, Entwicklungsprozesse nicht bei Aktivitäten stehen zu lassen, sondern ihre Bedeutung für Menschen, Organisationen und Gesellschaft zu klären.
Mich interessiert Evaluation nicht als Kontrolle, sondern als Lernschleife. Gute Evaluation fragt nicht nur, ob etwas funktioniert hat. Sie fragt, was wir daraus lernen, was angepasst werden muss und wie aus einem Versuch eine tragfähige Praxis werden kann.
Neue Ideen sind leicht formuliert. Schwieriger ist es, sie in Organisationen wirksam werden zu lassen.
Dafür braucht es Übersetzung: zwischen Fachlogiken, Personen, Gremien, Erwartungen und Ressourcen. Innovation entsteht nicht allein durch Kreativität, sondern durch kluge Prozesse, Beteiligung, Entscheidung und die Fähigkeit, aus ersten Versuchen zu lernen.
Meine Arbeit verbindet deshalb drei Bewegungen: neue Möglichkeiten erkennen, sie in überschaubaren Projekten erproben und daraus institutionelle Entwicklung gestalten.
Mich beschäftigen Hochschulen als Orte, an denen Zukunft vorbereitet wird. Das betrifft Studiengänge und Prüfungen, aber auch Kultur, Führung, Zusammenarbeit und strategische Entwicklung.
Meine Themen sind:
Im Zentrum steht für mich eine einfache Frage:
Wie können Menschen und Organisationen neue Fähigkeiten entwickeln, damit Zukunft nicht nur beschrieben, sondern gestaltet wird?
Mich interessieren Hochschulen als Orte, an denen Zukunft vorbereitet wird. Sie vermitteln Wissen, entwickeln Kompetenzen und schaffen Räume für Reflexion, Begegnung und Innovation.
Die entscheidende Frage lautet: Welchen Beitrag leisten Hochschulen für die Gesellschaft.
Hochschulentwicklung ist kein Selbstzweck. Hier werden Menschen befähigt, Verantwortung zu übernehmen, mit Unsicherheit umzugehen und neue Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen - der Zukunft, die wir noch nicht kennen - zu entwickeln.
Rektor der Hochschule für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche von Westfalen (Witten)
Prof. Dr. Jochen Kaiser
