Einführung
Diese Vesper wurde am 24. November 2013 im Halberstädter Dom gefeiert. Es waren ca. 100 Teilnehmer/innen da. Ein Vorbereitungsteam von ca. 20 Personen aus verschiedenen Gemeinde in Halberstadt hatten diese Vesper vorbereitet.
Treffpunt war die Winterkirche. Jede/r Teilnehmer/in erhält eine Kerze, die nicht brennt.
Die Vesper schließt an die alte Form der Kathedralvesper an, die aus vier Elementen bestand:
a) Luzernar, die Bitte um Licht und das Lob des Lichtes. Wenn das Tageslicht wich, wurde die Wiederkunft Chrisit als wahres und unvergängliches Licht erbeten.
b) Psalmengesang
c) Fürbittgebet
d) Abendsegen
Hinzu kommen noch einige Prozessionen, eine Lichtinszenierung im Dom und eine Entfaltung des Psalms 126 von Jugendlichen.
Das Material der Vesper sind im Kern zwei Dinge: Psalm 126 und das Lied "Wachet auf, ruft uns die Stimme". Die musikalische Idee ist es, von dem Dreiklang in c auszugehen. Er erklingt am Anfang in Moll und dann in Dur.
Treffen in der Winterkirche und Einzug in die dunkle Kirche
Die Vesper beginnt im Dämmerlicht. Der Kirchenraum soll an diesem Abend als Symbol des himmlischen Jerusalem wirken, so wurde die Baukunst der Gotik interpretiert. Wenn nun alle Besucher schon in der Kirche wären, würde sie nicht mehr neu erschlossen werden können. Der Eingang sollte über den Kreuzgang und dann gleich durch das Seitenschiff in den Hohen Chor erfolgen. Den meisten Besuchern, auch denen, die regelmäßig im Dom sind, wird dieser Eingang nicht so vertraut sein und so wird die Spannung erhöht, was nun erlebt wird. Den Anfang markiert ein Glockenschlag!
Zum Einzug wird ein Liedruf gesungen. Beim Eingang bekommen alle eine Kerze (das Programm sollte schon vorher verteilt werden), die aber aus ist. Im Seitenschiff, durch das wir in den Hohen Chor ziehen und auch dort stehen nur einige wenige Kerzen, sodass ein dämmriger Eindruck bleibt. Die Vorbereitungsgruppe, die Seminaristen und Jugendlichen sowie einige Chorsänger/innen, kennen den Liedruf schon und singen kräftig mit, sodass alle ihn schnell lernen. Wenn er ganz gut klingt, kann er auch vierstimmig gesungen werden.
Bitte um Licht und Invitatorium: „Sende dein Licht und deine Wahrheit, das sie mich leiten.“

Nach dem Liedruf, sollte eine Stille eintreten, sodass dann überraschend vom Lettner erklingt: „Wachet auf, ruft uns die Stimme, der Wächter sehr hoch auf der Zinne“. Während des Liedrufes müssten die Sänger/innen auf den Lettner gehen (sobald sie die Gemeinde verlassen nicht mehr mitsingen!).
Lied „Wachet auf“ und Verteilung des Lichtes
Vom Lettner, also von oben (im Lied heißt es „auf der Zinne“) erklingt die erste Strophe. Bei „die Lampen nehmt“ wird das Licht an alle ausgeteilt.
Während alle ihre Kerzen anzünden, könnte die erste Strophe von „Wachet auf“ mehrfach erklingen. Die Länge richtet sich ja danach, wie viele Teilnehmer/innen gekommen sind.
Kurze (!) Begrüßung
Liedmeditation „Wachet auf“
Die drei Zeilen des Stollens werden jeweils für sich gesungen und jede/r hält einen Ton der Zeile aus, sodass ein farbiger Klang (z. B. in der ersten Zeile c-e-g-a) die Kirche erfüllt.
Die Wiederholung des Stollens wird von einem Bordun auf c und g begleitet, der immer das Wort »Mitternacht« als Stimmungsausdruck wiederholt, rhythmisch werden drei Halbe + halbe Pause gesungen, sodass die Zeilenenden überbrückt werden, aber alle gleichzeitig enden. Am Besten den Bordun einige Male vorweg singen.
Der Abgesang wird original gesungen und dabei das Halleluja besonders beachtet, das bei Nicolai nach einer Viertelnote des Wortes »nehmt« erklingt.
Die beiden letzten Zeilen werden mit dem Weckruf »Wachet auf« (wieder drei Halbe + halbe Pause) gekoppelt.
„Wachet auf“ und Einzug durch den Lettner in das Kirchenschiff.
Die erste Strophe wird noch einmal ganz gesungen und dazu ziehen alle durch den Lettner ins Kirchenschiff. Wenn viele da sind, könnte die Strophe auch zwei Mal gesungen werden.
Psalm 126 mit „Zion hört die Wächter singen“
Der Psalm erklingt auf eine Melodie, die sich an „Wachet auf“ anlehnt. Die erste Gruppe könnte ein Vorsänger übernehmen, dann hören alle die Melodie und der Wechsel zwischen Einzelnem und Gemeinde klingt schön.

„Wachet auf“ und Einzug durch den Lettner in das Kirchenschiff.
Die erste Strophe wird noch einmal ganz gesungen und dazu ziehen alle durch den Lettner ins Kirchenschiff. Wenn viele da sind, könnte die Strophe auch zwei Mal gesungen werden.
Psalm 126 mit „Zion hört die Wächter singen“
Der Psalm erklingt auf eine Melodie, die sich an „Wachet auf“ anlehnt. Die erste Gruppe könnte ein Vorsänger übernehmen, dann hören alle die Melodie und der Wechsel zwischen Einzelnem und Gemeinde klingt schön.
Psalmentfaltung der Jugendlichen
Hier zeigten Jugendliche ihren Zugaung und ihr Verstehen dieses alten Psalms. Die Dauer sollte zwischen 5-7 Minuten liegen.
Alle singen die 2. und 3. Strophe von "Wachet auf", also:
"Zion hört die Wächter singen"
"Gloria sei dir gesungen"
Am Anfang der Strophe "Gloria" wird das Triumpfkreuz über dem Lettner hell angestrahlt und nach und nach Scheinwerfer im Hohen Chor angeschaltet, sodass es heller wird, wir aber noch von Weitem das Licht sehen.
Fürbittgebet
Drei Bitten werden von Einzelnen vorgetragen und enden mit dem Ruf des Kantors: Wie ein Rauchopfer steige mein gebet zu dir auf! Alle singen:
Kyrie eleison (einen Kanon nach Taizé).
Nachdem die Sprecher ihre Fürbitte vorgetragen haben, stellen sie ihre Kerze auf dem Altar ab. Während des Kyrie können alle Teilnehmer/innen ihre Kerze abstellen und ihre eigenen FÜrbitten
beten.

Vater unser
Segen
Dieser Segen war nicht als Abschluss gedacht, sondern markierte den Übergang in den Hohen Chor als himmlisches Jerusalem. Er war also Wegbegleitung ins "Paradies"
Gloria sei dir gesungen - Einzug durch den Lettner in den Hohen Chor
Wir zogen alle durch den Lettner und damit unter dem Kreuz Christi durch, das wir so auch hinter uns ließen. Damit konnte nun die himmlische Freude erklingen, unsere Stimmen verbanden sich mit den Engeln: Gloria sei dir gesungen mit Menschen- und mit Engelszungen...
Proklamation von Offenbarung 21, 1-6
Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde...

Vorbei sind die Tränen, das Weinen, der Schmerz ... Himmel und Erde werden neu
Dieses neue LIed (Text von Lothar Teckemeyer und Melodie von Wolfgang Teichmann) bildete den Abschluss. Die Gemeinde war mit einem Klatschrhythmus beteiligt und der Chor sang das Lied. Da wir den Kehrvers immer wiederholten, sang am Ende die Gemeinde auch mit.

Kompetenz entsteht nicht durch Stoffverteilung.
Diese Erfahrung kenne ich aus der Musik: Können entwickelt sich durch Übung, Reflexion, Wiederholung, Rückmeldung und durch die Motivation, über längere Zeit an einem Ziel zu arbeiten. Für Hochschulen bedeutet das: Curricula müssen nicht nur Inhalte ordnen, sondern Entwicklungswege ermöglichen.
In der Weiterentwicklung von Studienstrukturen interessiert mich deshalb, wie fachliches Wissen, künstlerische Praxis, Selbststeuerung, Zusammenarbeit und professionelle Haltung zusammenwirken. Gute Studiengänge beschreiben nicht nur Module. Sie beschreiben, welche Fähigkeiten Menschen in einer zukünftigen Berufspraxis brauchen — und wie diese Fähigkeiten wachsen können.
Lernen geschieht nicht nur im Unterricht.
Es entsteht in Proben, Gesprächen, Rückmeldungen, Experimenten, Prüfungsformaten, digitalen Umgebungen und in Momenten, in denen Menschen Verantwortung für den eigenen Lernweg übernehmen. Darum interessiert mich Hochschullehre nicht nur als Didaktik, sondern als Gestaltung von Lernräumen.
Dazu gehören Präsenz und digitale Formate, individuelle Förderung und gemeinsames Arbeiten, künstlerische Erfahrung und systematische Reflexion. Besonders spannend werden Lernräume dort, wo sie reale Praxis einbeziehen: Projekte, Aufführungen, Kooperationen, Erprobungen und formative Rückmeldungen.
Prüfungen zeigen, was eine Hochschule wirklich wichtig findet.
Wenn Prüfungen nur abrufen, was vorher vermittelt wurde, bleiben sie oft hinter dem Anspruch kompetenzorientierter Bildung zurück. Mich interessiert, wie Prüfungen selbst zu Lern- und Entwicklungsmomenten werden können: durch Reflexion, Praxisbezug, Zusammenarbeit und die Fähigkeit, Entscheidungen zu begründen.
Ein Beispiel dafür sind Prüfungsformate, in denen Studierende nicht nur individuell Wissen zeigen, sondern gemeinsam Situationen gestalten, Entscheidungen reflektieren und ihre professionelle Haltung sichtbar machen.
Innovation braucht mehr als gute Absichten.
Wenn neue Formate entstehen, stellt sich die Frage: Was verändert sich dadurch? Für wen entsteht ein Unterschied? Woran erkennen wir, ob ein Ansatz trägt? Wirkungsorientierung hilft, Entwicklungsprozesse nicht bei Aktivitäten stehen zu lassen, sondern ihre Bedeutung für Menschen, Organisationen und Gesellschaft zu klären.
Mich interessiert Evaluation nicht als Kontrolle, sondern als Lernschleife. Gute Evaluation fragt nicht nur, ob etwas funktioniert hat. Sie fragt, was wir daraus lernen, was angepasst werden muss und wie aus einem Versuch eine tragfähige Praxis werden kann.
Neue Ideen sind leicht formuliert. Schwieriger ist es, sie in Organisationen wirksam werden zu lassen.
Dafür braucht es Übersetzung: zwischen Fachlogiken, Personen, Gremien, Erwartungen und Ressourcen. Innovation entsteht nicht allein durch Kreativität, sondern durch kluge Prozesse, Beteiligung, Entscheidung und die Fähigkeit, aus ersten Versuchen zu lernen.
Meine Arbeit verbindet deshalb drei Bewegungen: neue Möglichkeiten erkennen, sie in überschaubaren Projekten erproben und daraus institutionelle Entwicklung gestalten.
Mich beschäftigen Hochschulen als Orte, an denen Zukunft vorbereitet wird. Das betrifft Studiengänge und Prüfungen, aber auch Kultur, Führung, Zusammenarbeit und strategische Entwicklung.
Meine Themen sind:
Im Zentrum steht für mich eine einfache Frage:
Wie können Menschen und Organisationen neue Fähigkeiten entwickeln, damit Zukunft nicht nur beschrieben, sondern gestaltet wird?
Mich interessieren Hochschulen als Orte, an denen Zukunft vorbereitet wird. Sie vermitteln Wissen, entwickeln Kompetenzen und schaffen Räume für Reflexion, Begegnung und Innovation.
Die entscheidende Frage lautet: Welchen Beitrag leisten Hochschulen für die Gesellschaft.
Hochschulentwicklung ist kein Selbstzweck. Hier werden Menschen befähigt, Verantwortung zu übernehmen, mit Unsicherheit umzugehen und neue Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen - der Zukunft, die wir noch nicht kennen - zu entwickeln.
Rektor der Hochschule für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche von Westfalen (Witten)
Prof. Dr. Jochen Kaiser
